Bist du einflussreich bei Twitter? Was für Google & Bing zählt…

Bist du einflussreich bei Twitter?
Veröffentlicht am 6. März 2011 von Axel Scheuering Suchmaschinenoptimierung

Google und Bing haben zugegeben, dass Signale aus Twitter für das Ranking einer Webseite zählen. Insbesondere sind Tweets von einflussreichen Twitter-Usern wichtig. Doch was macht einen User einflussreich? Hier gibt’s Antworten. Mit Abstimmung!

Anfang Dezember letzten Jahres wurden Vertreter der Suchmaschinen Google und Bing vom Suchmaschinenmagazin Searchengine Land interviewed. Thema war insbesondere die Frage, ob Signale aus Twitter und Facebook das Ranking einer Webseite beeinflussen können. Der Artikel auf Searchengine Land ist deshalb so interessant, weil Google und Bing hier zugeben, dass es tatsächlich so ist. Was in Twitter und Facebook passiert ist den Suchmaschinenbetreibern inzwischen nicht mehr egal, sondern wird zum Ranking einer Website herangezogen.

Beispielsweise wurde die Frage gestellt, ob ein Tweet einer wichtigen und einflussreichen Person mehr zählt, als einer von einem durchschnittlichen Twitter-User. Google und Bing bejahen das beide.

Do you calculate whether a link should carry more weight depending on the person who tweets it?

Bing:
Yes.

Google:
Yes we do use this as a signal, especially in the “Top links” section […]

Do you try to calculate the authority of someone who tweets that might be assigned to their Twitter page. Do you try to “know,” if you will, who they are?

Bing:
Yes. We do calculate the authority of someone who tweets. […]

Google:
Yes we do compute and use author quality. […]

Das ist wahrscheinlich die interessanteste Erkenntnis aus dem Artikel und wirft zugleich eine entscheidende Frage auf:
Wann ist ein Twitter-User in den Augen der Suchmaschinenbetreiber wichtig oder einflussreich?

Um das herauszufinden, sind im Folgenden mögliche Kriterien für den Einflussreichtum eines Twitter-Users aufgelistet, über die auch direkt abgestimmt werden kann. Jeder Teilnehmer der Abstimmung nimmt an der Verlosung eines Twitter T-Shirts teil. Die Ergebnisse der Abstimmung werden demnächst hier im Blog veröffentlicht.

Die nachfolgende Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, beinhaltet aber sicherlich die wichtigsten Kriterien. Die Sortierung soll hier keine Wertung in Bezug auf die Wichtigkeit sein:

Anzahl der Follower

Die reine Anzahl der Follower ist wahrscheinlich kein gutes Kriterium, weil man sie sehr leicht manipulieren kann. Google und Bing haben sich den Kampf gegen Spam ja bekanntlich groß auf die Fahnen geschrieben und dürften wissen, dass man mit Hilfe von Tools, die z. B. Autofollowing oder automatisches Backfollowing ermöglichen, innerhalb kürzester Zeit tausende von Followern generieren kann.

Die Anzahl der Follower wird zwar in die Berechnung des Einflussreichtums eines Twitter-Users einfließen, weil sie ja zumindest grob eine Idee darüber gibt, wie viele Menschen er theoretisch erreicht, jedoch spielt dieser Wert mit Sicherheit nicht die größte Rolle. Die Theorie, dass die Anzahl der Follower eine gewisse Bedeutung haben dürfte, wird auch durch eine Twitter-Studie von sysomos gestützt, die belegt, dass mehr als 95% aller Twitter-User weniger als 500 Follower haben:

Wer hat wie viele Follower? - verschiedene Cluster

Wer hat wie viele Follower? - verschiedene Cluster

Wenn ein Twitter-User also im Cluster „5000-9999 Follower“ einzuordnen ist, spielt er in einer Liga, in der nur 0,16% der Menschen bei Twitter mithalten können. Seine Tweets könnten also wichtiger sein, als die eines Twitter-Users, der im Cluster „0-499 Follower“ zuhause ist.

Eine Studie vom Social Computing Lab von HP, bei der Millionen von Tweets ausgewertet wurden, kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass man z. B. nur durch die Anzahl der Follower nicht ohne weiteres sagen kann, ob ein Link, den ein Twitter-User postet, viele oder wenige Klicks bekommt. Das zeigt, dass die Anzahl der Follower möglicherweise eher ein schwaches Kriterium zum Messen des Einflussreichtums eines Twitter-Users darstellt.

Follower-Friends-Ratio

Ein weiteres Kriterium, das evtl. eine Idee über den Einflussreichtum und die Qualität eines Twitter-Users gibt, ist unter Umständen die Follower-Friends-Ratio – sprich das Verhältnis zwischen der Anzahl der Friends und der Follower. Hat ein Twitter-User z. B. 800 Follower und folgt selbst 150 Leuten, hat er eine Follower-Friends-Ratio von 5,33. Das bedeutet, dass auf einen Friend 5,33 Follower kommen. Je höher dieser Wert ist, desto wichtiger und einflussreicher könnte ein Twitter-User von Google und Bing gewertet werden.

Anzahl der Listings

Ist ein Twitter-User in vielen Listen aufgenommen, ist er evtl. wichtiger und einflussreicher als einer, der kaum gelistet ist. Nicht nur mehr Reichweite trägt wahrscheinlich dazu bei, sondern unter Umständen auch die pure Tatsache, dass ein anderer Twitter-User ihn für wichtig genug hält, um ihn in seine Liste aufzunehmen. Insofern könnte es sein, dass Google und Bing die Anzahl der Listings für die Berechnung der Einflussreichtums eines Twitter-Users heranziehen.

Anzahl der Klicks auf getwitterte URLs

URL-Shortener, wie z. B. bit.ly, machen Klick-Daten von verkürzten URLs der Öffentlichkeit zugänglich. Dazu muss man nur an eine verkürzte URL ein + anhängen. Z. B. so: http://bit.ly/9iNc4Z+

Möglicherweise ist es für Google und Bing sehr wichtig, ob die getwitterten Links eines Users oft oder selten angeklickt werden. Schließlich ist ein Twitter-User einflussreich, wenn seine Follower sich für seine getwitterten Links interessieren.

Daher ist davon auszugehen, dass die Suchmaschinenbetreiber die Klickdaten der URL-Shortener auslesen und zur Berechnung des Einflussreichtums eines Twitter-Users verwenden. Nicht zuletzt hat Google wahrscheinlich deswegen einen eigenen URL-Shortener gestartet, um diese Daten direkt zu bekommen: http://goo.gl/

Jedoch ist es teilweise sehr schwierig, genau herauszufinden, wie oft eine verkürzte URL durch die Follower eines bestimmten Twitter-Users angeklickt werden, da 1. die URL nicht zwingend nur in Twitter veröffentlicht wird, sondern vielleicht auch in Facebook oder auf anderen Websites und 2. der bestimmte Twitter-User die URL nicht selbst verkürzt haben muss. Man kann schließlich eine, von einem anderen User verkürzte URL, kopieren und diese twittern. Prinzipiell dürften Google und Bing aber in der Lage sein, herauszufinden, ob die verkürzte URL erstmalig von dem speziellen User getwitter wurde oder nicht.

(Interner) PR des Twitter-Accounts

Ein Twitter-Account mit einem hohen PageRank ist möglicherweise für Google und Bing wichtiger, als einer mit einem niedrigen. Schließlich sagt der PageRank eines Twitter-Accounts etwas darüber aus, wie viele andere „normale“ Websites auf diesen verlinken und auch darüber, ob die verlinkenden Sites selbst wichtig sind. Ein Twitter-Account, der von vielen und von wichtigen Websites verlinkt wird, findet schließlich auch Erwähnung außerhalb von Twitter und bekommt so mehr Aufmerksamkeit.

Die Studie von HP kommt zwar zu dem Ergebnis, dass der PageRank eines Twitter-Accounts nicht besonders gut mit der Anzahl der Klicks korreliert, die eine URL bekommt, welche von diesem getwittert wird, jedoch ist hier nicht der Toolbar-PageRank gemeint, sondern der interne PageRank, den die Suchmaschinen berechnen und nicht nach außen geben.

Durschnittliche Anzahl der Tweets

Wer viele Tweets verfasst, gehört zu einer Gruppe, die relativ klein ist, weil die meisten Twitter-User eher passiv sind und hauptsächlich mitlesen. Auch das belegt die Studie von sysomos. Sie kommt zu dem Ergebniss, dass 90% der Tweets von nur 22,5% der Twitter-User gepostet werden:

22,5% der Twitter-User posten 90% der Tweets

22,5% der Twitter-User posten 90% der Tweets

Tendenziell ist also ein Twitter-User, der sehr aktiv ist, zu einer „Elite“ zu zählen. Somit könnte die Anzahl der Tweets pro Zeiteinheit (z. B. durchschnittliche Anzahl der Tweets pro Monat im letzen Jahr) ein Kriterium für den Einflussreichtum eines Twitter-Users sein. Wer mehr twittert gehört zur Elite und sammelt somit evtl. Einfluss-Punkte bei den Suchmaschinen.

Durchschnittliche Anzahl der (eindeutigen) Retweets

Wenn ein Twitter-User viel twittert, aber niemand Retweetet, scheinen dessen Tweets relativ uninteressant zu sein. Deshalb könnte es sein, dass Google und Bing genauer darauf schauen, wie oft ein Twitter-User in einem bestimmten Zeitraum retweetet wird. Die Durchschnittliche Anzahl an eindeutigen Retweets könnte also eine wichtige Kennzahl für Google und Bing sein, um einen Twitter-User zu beurteilen.

Die Studie von HP bekräftigt diese Theorie. Hier steht:

The number of times a user has been credited in a retweet has been assumed to be a good measure of influence

„Eindeutig“ heißt hier, dass nur Retweets von unterschiedlichen Usern gezählt werden. D. h. wenn ein Twitter-User 5x den gleichen Tweet retweetet, zählt das nur einmal. Ansonsten wäre diese Kennzahl sehr leicht manipulierbar. Man könnten schließlich einen Spam-Account betreiben, der jedesmal, wenn man selbst einen Tweet postet diesen hunderte Male retweeten würde.

Retweet-Rate

Wahrscheinlich ist die Retweet-Rate im Vergleich zur durchschnittlichen Anzahl eindeutiger Retweets für Google und Bing die bessere Kennzahl, um einen Twitter-Account zu beurteilen. Wer beispielsweise mit 300 Followern in einem Monat 30 URLs twittert und dabei 60 Retweets generiert ist schon relativ gut. Die Studie von HP hat nämlich gezeigt, dass ein Twitter-User nur 1 von 318 URLs retweetet. Das sind gerade einmal 0,31%. Damit läge der Twitter-User aus dem Beispiel mit seinen 60 Retweetsdeutlich über dem Durchschnitt. Bei einer durchschnittlichen Retweet-Rate von 0,31% würde er gerade einmal 28 Retweets generieren. Da sind die 60 Retweets schon deutlich besser. Google und Bing könnten annehmen, dass dieser Twitter-User besonders gut darin ist, seine Follower zu erreichen. Er ist bei diesen also einflussreich.

Tweets-Retweets-Ratio

Natürlich werden die Suchmaschinen in Sachen Retweets auch berücksichtigen, wie viele Tweets der Twitter-User im Durchschnitt postet. Jemand der im Monat durchschnittlich 10 Tweets postet und 5 Retweets erhält, dürfte als wichtiger oder einflussreicher angesehen werden, als jemand, der in diesem Zeitraum durchschnittlich 50 Tweets postet und ebenfalls 5 Retweets erhält. Die Retweet-Ratio ist also das Verhältnis zwischen der Anzahl der Tweets und den Retweets und wird möglicherweise von den Suchmaschinen berechnet.

Tweets-Follower-Ratio

Werden zwei Personen in einem bestimmten Zeitraum genau gleich oft retweeted, ist möglicherweise die Person einflussreicher, die weniger Follower hat, weil bei dieser die Retweet-Rate höher ist. Sie schafft es also besser, ihre Follower zu interessieren und zu mobilisieren.

Abstimmung: Was macht einen Twitter-User einflussreich?

Nehme an der Abstimmung teil und gewinne ein Twitter T-Shirt! Unter allen Votern wird ein Twitter-Shirt von Zazzle im Wert von 20 Euro verlost. Der Gewinner kann sich dann eines aussuchen.

Die Abstimmung läuft den kompletten März 2011. D. h. bis zum 31.03.2011. Anschließend wird hier im Blog das Ergebnis bekannt gegeben und der Gewinner unter den Votern gekürt.

Zum Weiterlesen

Sowohl der ursprüngliche Blogpost auf Searchengine Land, als auch die ersten Reaktionen von SEO-Tool-Anbietern sind interessant.

Wer sich mehr mit dem Thema Twitter-Daten beschäftigen möchte, dem sei die Studie von sysomos ans Herz gelegt.

Weiterhin hat das Social Computing Lab von HP eine interessante Studie zum Einflussreichtum von Twitter-Usern erstellt, die hier im Artikel bereits ein paar mal erwähnt wurde. Das 9-Seitige Paper Influence and Passivity in Social Media kann bei Scribd eingesehen und heruntergeladen werden. Enthalten sind allerhand interessante Daten und Statistiken, die bei einer Auswertung von 22 Millionen Tweets herauskamen, sowie Erklärungen zu einem Algorithmus, der zum Messen des Einflussreichtums von Twitter-Usern dienen kann.

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6 Antworten auf Bist du einflussreich bei Twitter? Was für Google & Bing zählt…

  1. Pingback: Einflussreichtum bei Twitter – wie misst man das?

  2. S.Schwenkros sagt:

    Hallo
    Ich bin heute durch zufall auf deinen Blog gestoßen.
    Respekt, für diesen Artikel.Selber habe ich schon länger den eindruck, dass Google sich über Twitter eindrücke holt.Jetzt hast du einmal alles genauso im Artikel veröffentlicht wei ich immer gedacht habe.Schade das ich zu langweilig war und nicht selber mal hinter den kulissen geschaut habe.

    Gruß S.Schwenkros

  3. Cujo sagt:

    Hmmm…wenn es sich herumspricht, dass die Follower-Friends-Ratio eine Rolle beim Ranking spielt, dürften wohl massenhaft Twitterer entfolgt werden :)

  4. Pingback: SEO: Auch Twitter ist wichtig - Servaholics

  5. Philipp sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel.
    Je nach Entwicklung wohl wieder ein Algorithmus mehr, um den sich Mythen halten werden :-)

  6. Pingback: links for 2011-04-10 - Oliver Gassner: Digitale Tage

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